„Und die Akten musst du fotografieren und lebend zurückkommen“

Ungewöhnliches Zeitzeugengespräch am Jüdischen Gymnasium

Diese Anweisung war das Einzige, was Michael Maor im Frühjahr 1960 von seinem Vorgesetzten beim Mossad hörte.

Er sollte Akten, den Fall Adolf Eichmann betreffend, fotografieren. Michael Maor wurde als Horst Michael Sternschein im Jahr 1933 in Halberstadt geboren, seine Eltern kamen 1944 als Partisanen auf dem Balkan um. Maor selbst wanderte 1945 nach Israel aus, wo er später für den Mossad arbeitete und im Militär tätig war. Letztendlich wurde er Fotograf.
Ende November war er bei uns im Jüdischen Gymnasium Moses Mendelssohn zu Gast.
Organisiert wurde das Zeitzeugengespräch mit einer zehnten Klasse von Frau Thomasius und Frau Mönch. Herr Maor erzählte uns, wie er als Waisenkind ins damalige Palästina kam, von seiner späteren Arbeit beim Mossad, aber auch die eine oder andere lustige Geschichte wie die, als er seine Frau kennenlernte.
Natürlich war für alle Zuhörer*innen die spannendste Geschichte, diejenige, wie Maor im Frühjahr 1960 im Auftrag des Mossad in das Büro Fritz Bauers, des hessischen Generalstaatsanwalts, in Frankfurt mit einem Nachschlüssel eindrang und dort Bauers Ermittlungsakten über Eichmann abfotografierte. Diese wurden für die Legitimität der Entführung Eichmanns und die Anklageerhebung benötigt.
Es war ein sehr einzigartiges, lehrreiches Gespräch. Wir hörten aufmerksam zu, diskutierten und stellten Fragen. Ich denke jeder von uns hat etwas mitgenommen, und wir alle haben an diesem Tag viel gelernt.

Text: Noomi Blumenberg
Foto: Sabine Thomasius